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Jodie's Tagebuch

Am 30.4.09 bin ich bei meiner neuen Familie angekommen. Meine Leute sagen, ich sei eine Baustelle, aber eine an der sich das bauen lohnt! Denn sie sagen, ich habe ein Herz aus Gold, und das strahlt bis in meine Fellspitzen. Im Moment geniesse ich erst mal mein neues Leben. Ich wohne in einer Auslaufboxe, zur linken habe ich einen Kumpel namens Oxford, rechts eine hübsche Stute namens Jasi, mit der ich auch auf die Weide darf. In meiner Boxe gibt es jede Menge frisches Stroh, und auch ganz viel Heu. So kann ich den ganzen Tag fressen, und ich glaube das ich bald auch wieder etwas mehr auf den Rippen haben werde. Ich kann es noch immer kaum glauben dass mir keiner das Futter streitig macht, und ich ganz in Ruhe fressen darf. An dieser Stelle werde ich Euch über meine Fortschritte berichten. Als erstes ist jetzt mal der Hufschmied geplant.
   
9.5.09: Es ist unheimlich viel passiert in den letzten Monaten. Angefangen beim Hufschmied, der mir Hufeisen verpassen musste, über Tierarzt, Zahnarzt, Ostheopatin. Ausserdem werde ich täglich bewegt und regelmässig kommt eine Reitlehrerin damit ich mich richtig bewege um Muskeln aufzubauen. Futterplan wurde geändert, damit ich etwas zunehme. Einen neuen Sattel habe ich auch bekommen, weil der alte mir schmerzen bereitet hatte. So langsam erhole ich mich und sehe besser aus.
   
13.7.09: Ich bin lustig, lebensfroh und unheimlich anhänglich geworden. Habe in der Zwischenzeit an einem kleinen Turnier mit gemacht, wo ich in der Kategorie Groundwork mit gemacht habe, und gar nicht so schlecht war. Ich geniesse mein neues Leben und erhole mich von Tag zu Tag besser von meinem Vorleben.
   
30.8.09: Ich war am Novice Cup, und machte bei der Groundwork, wie auch das erste mal am Trail mit. Mann, war ich nervös. Ich kenne den Turnierstress zwar von früher, aber ich habe leider keine guten Erinnerungen daran.
   
24.9.09: Langsam werde ich immer hübscher. Am 1.9. bin ich umgezogen in einen neuen Stall. Hier bewohne ich zwar zur Zeit eine Innenboxe, werde aber bei Gelegenheit auch wieder eine mit Auslauf erhalten. Tagsüber bin ich mit anderen Pferden auf der riesigen Weide, und es ist einfach nur toll. Ich habe seit dem Umzug richtig gut zugenommen und auch die Muskeln kommen langsam. Das Ausreitgebiet ist unheimlich vielfältig, und es macht total Spass.
   
28.11.09: Leider mussten wir noch einmal umziehen. Oder vielleicht eher zum Glück? ich habe das Boxenleben nicht so gut verkraftet. Als das Wetter schlechter wurde, und ich nicht mehr täglich auf die Weide kam, wurde ich richtig unzufrieden, und meine Leckerlie-Spenderin hat dann ganz schnell reagiert, und mich an einen Ort gebracht, wo ich nun immer und jederzeit auf die Weide kann. Ausserdem habe ich nun eine Freundin die mit mir zusammen den Offenstall bewohnt. Seit mitte Oktober laufe ich wieder ohne Eisen, und ich stolpere seither nicht mehr so häufig. Wenn wir länger reiten gehen trage ich nun Hufschuhe, aber die meiste Zeit gehe ich barhuf. Ich kann inzwischen schon richtig ruhig ins Gelände, bin längst nicht mehr so zappelig wie zu beginn meines neuen Lebens. Was ich aber nicht mehr mag ist, wenn mich fremde reiten. Da werde ich schon beim putzen sauer und wehre mich.  

   
15.12.09: Nur mal so als vergleich... im Juli wurden für den Sattler Bilder von meinem Rücken gemacht. Heute machten wir nochmal Bilder, um einen vergelich zu haben. Auch wenn ich im Juli schon nicht mehr ganz so schlimm aussah, ist der Unterschied jetzt deutlich sichtbar. Die Bilder mit dem hellen Fell sind aktuell, die mit dem dunklen vom Sommer. Zum vergrössern bitte anklicken!
   
17.01.10: und schon wieder gab es eine Aenderung in meinem Leben. Es kommt uns so langsam vor, als müssten wir eine ganze Odyssee durchleben, ehe wir endlich glücklich und zufrieden werden können. Angefangen hat es mit meinen Hufen, die im neuen Stall plötzlich massiv schlechter wurden. Dann war da aber auch meine Freundin, die mich immer wieder schlug. Als ich dann einen heftigen Schlag auf die Stirne erhielt, ging meiner Leckerli-Spenderin ein Licht auf. ich mag zwar andere Pferde gerne, aber ich bin einfach nicht fähig mich anständig zu wehren, und so werde ich immer wieder zum "Prügelknaben". Um meine Hufe endlich wieder trocken zu bekommen, und um weiteren Verletzungen vorzubeugen, zogen wir also wieder in eine Auslaufboxe. Da habe ich nun 2 Freundinnen, die ich sehr mag! Allerdings habe ich wieder meine Rückzugsmöglichkeit, meine Boxe, mein Futter. Der Stall ist gross und hell, ich habe einen grossen Auslauf und darf, wenn es das Wetter zulässt, auf die Weide. Auf dem Bild steh ich gerade das erste mal im Roundpen. Die Verletzung am Kopf heilt zum Glück gut ab.
   
08.03.10: Diesmal kein Umzug, keine Aenderung, sondern einfach nur ein grosses HURRAAA! Mir geht es einfach nur super, was ich durch ausgiebiges Temperament und viele Flausen im Kopf zeige. Die Hufe werden langsam wieder, die Wunde am Kopf ist nicht mehr sichtbar. Etwas zugenommen habe ich, und die Muskeln spriessen so langsam. Nun hoffen wir einfach noch dass es bald wieder Frühling wird, denn mit dem vielen Eis im Wald macht es keinen spass. Allerdings finde ich es ja auch toll wenn ich mal eine Zeit lang nicht so viel Arbeiten muss, und mehr Zeit zum spielen und toben bekomme. Bin ich nicht ein richtiger Kerl geworden?
   
30.04.10: Ein Jahr Jodie! Mir geht es wunderbar! Neues? Eigentlich nur, dass ich nun schon wieder einen neuen Sattel habe, da der andere mir zu eng wurde. Diesmal aber keinen Westernsattel mehr, sondern einen spanischen. Ich werde jetzt Fussballstar, könnt ihr in der Galerie sehen, und hach, es geht mir einfach nur gut. Die Ostheopathin war mal wieder bei mir, und musste zum Glück nicht wahnsinnig viel richten, aber eine Blockade im Hals war eben doch vorhanden. Nachdem dies nun behoben ist, kann der Aufbau weiter gehen. Ich werde noch zum Bodybuilder!
   
21.10.10: Hui, in den letzten 6 Monaten hat sich so viel ereignet, und ich habe ganz vergessen zu berichten. Nachdem ich nun also gesundheitlich wieder voll dabei war, beschloss ich, dass mir Auslaufboxe einfach zu langweilig ist. Da ich aber nicht in eine der bestehenden Gruppen auf dem Hof passte, zog ich nochmal um. Diesmal in eine 4er-Gruppe, ganz nah bei meiner Besitzerin. Dort ging es mir eigentlich prima, aber ich bekam einfach zu wenig Futter. Ich nahm stark ab, und der Stallbetreiber liess nicht mit sich reden, dass ich einfach mehr Heu benötigen würde. Als bei einer Bekannten von meiner Besitzerin dann ein Platz in einer 2er Gruppe frei wurde, zog ich dort hin. Doch wieder war es nicht so, wie es sein sollte, denn die Stute bei der ich stand, mochte mich nicht, und vertrieb mich immer wieder mit schlägen. So hatte ich in 2 Monaten 3x einen Rotlauf eingefangen, und war auch sonst nicht richtig fit, nahm wieder an der Muskulatur ab, war nicht mehr so fröhlich. Und da fasste meine Besitzerin endlich eine Entscheidung. Sie bauten innerhalb von 2 Wochen einen der Hundeausläufe daheim um, zu einem Offenstall. und so zog ich ende September nun hoffentlich ein letztes mal um, diesmal zu meiner Besitzerin nach Hause. Damit ich nicht alleine bleiben musste, haben wir vorübergehend eine Freibergerstute zu uns geholt. Gesundheitlich bin ich zur Zeit nicht so richtig fit, die Hufe wurden immer fühliger, und nun trage ich wieder Hufeisen. Mehr dazu im Huftagebuch. Aber ich hoffe dass es nun wieder aufwärts gehen kann, denn mit der hübschen Lady namens Taiga versteh ich mich super, und auch sonst fühle ich mich wohl hier. Endlcih genug Futter, Gesellschaft, keine Schläge mehr, so kann es doch nur Aufwärts gehen.

In der 4er-Gruppe

Jodie bei uns daheim, mit seiner neuen Freundin Taiga

   
07.12.10: Es geht aufwärts! Nach einem weiteren Rotlauf hat man mir Blut genommen, und festgestellt, dass ich an einem stakten Selenmangel leide. Kein Wunder war mein Immunsystem im Keller, wurden die Hufe immer schlechter, habe ich ein mieserables Winterfell gemacht, hat die Muskulatur immer mehr abgebaut... Nun bekomme ich Selen als Zusatzfutter, und selbstverständlich Heu fast a discretion. Zudem ein gutes Kurzfutter sowie Mineralien zum Aufbau. Und es geht definitiv steil aufwärts!

Anfangs Oktober haben wir etwas ganz neues begonnen, nämlich das fahren. Ja, ganz richtig, ich musste lernen die Kutsche zu ziehen. Allerdings macht mir das unheimlich spass, und ich merke, dass es auch meinem Rücken supergut tut. Am 4.12. haben meine Besitzerin und ich dann gemeinsam das Fahrbrevet gemacht und bestanden. Ansonsten geniesse ich zur Zeit einfach mein Leben, das viele fressen, meine Freundin und selbstverständlich, dass ich nun meine Besitzerin quasi rund um die Uhr für mich habe.

 

   
05.07.11: Muss mich wohl auch mal wieder melden :-) Aber da es mir zur Zeit einfach nur gut geht, hab ich gar nicht so viele news. Ich habe ein wunderschönes, goldglänzendes Sommerfell bekommen, habe endlich auch wieder was auf den Rippen (Dick werd ich wohl nie) und fühle mich rundum wohl. Ich habe nun einige Zeit "Ferien" gehabt, und nun beginnen wir langsam wieder mit der Arbeit und dem Aufbau. Das Bild ist vom Frühling, aktuelle folgen demnächst.
   
09.11.11: Und wieder mal ein Update. Im grossen und ganzen geht es mir prima, zumindest solange man nicht versucht mich zu reiten oder zu sehr zu arbeiten. Aber mal von Anfang an. Wir haben wieder angefangen zu arbeiten, zwar alles nur vom Boden aus, aber ziemlich intensiv. So baute ich wieder sehr schön Muskulatur auf, und war recht fit. Im August legte ich dann einen Sturz im Roundpen hin, warum genau weiss man nicht. Vermutlich ein "Loch" im Boden. Kurz darauf versagte plötzlich meine Hinterhand beim toben auf dem Reitplatz. Wieder flog ich hin. Dann kam Sarah eines morgens in den Stall und fand mich mit 4 blutenden und aufgerissenen Fesselköpfen. Vermutung war, dass ich auf dem Eccoraster ausgerutscht bin. Diese Verletzung zeigte sich aber kurz danach erneut, und leider so tief dass ich wieder einen Rotlauf machte. Einmal waren auch meine hinteren Sprunggelenke "aufgeschlitzt". Immer dachte man, dass ich einfach schusselig bin. Doch dann aber sah Sarah endlich was los ist. Ich war am fressen, stand eigentlich ganz ruhig da, plötzlich zuckte ich zusammen und knickte mit den Vorderbeinen ein. Das selbe gleich nochmal im Pferdeanhänger, wo mir die Hinterbeine weg sackten. Sarah hatte mich ja soweit aufgebaut, und wollte auch wieder reiten. Das erste mal in der Halle, war ich einfach nur extrem angespannt, zappelig und sehr seltsam. Sarah erkannte mich kaum, denn ich war zwar immer ein zappel, aber nie so! Ein paar Tage später dann ein ganz gemütlicher Ausritt zusammen mit meinem neuen Kumpel Gyrus (der stellt sich auch bald vor). Doch da war nichts von gemütlich, denn ich war total angespannt und bockte bei jeder Gelegenheit los.

Am 7.11. fuhr Sarah dann mit mir nach Zürich ins Tierspital. So konnte es ja nicht weiter gehen! Dort wurde mein Rücken und mein Hals geröntgt, und nach einiger Zeit wurde leider kein schönes Resultat ausgesprochen. Ich habe Arthrose in den Halswirbeln, was nichts wahnsinnig aussergewöhnliches ist. Allerdings habe ich auch eine Stauchung der Wirbelsäule und dort arthrotische Veränderungen. Zusammen mit einer tiefen Narbe (nicht die auf den oberen Fotos) auf der Stirne geht man davon aus, dass ich da mal einen üblen Unfall hatte. Diese Stufenbildung ist vermutlich der Grund für meine Stürze, denn da wird das Rückenmark und die Nerven wohl bei ungünstigen Bewegungen gequetscht.

Auch im Rücken fand man unschönes, namentlich Kissing Spines. Dornfortsätze die sich berühren und schmerzen verursachen. Und auch da arthrotische Veränderungen in den Wirbelkörpern.

Das war ein ganz schöner Schlag ins Gesicht, denn eigentlich fühle ich mich im Moment nicht unwohl. Allerdings hat Sarah eine Entscheidung getroffen. Ich werde per sofort ein Rentnerleben geniessen. Da ich im Moment keine Schmerzen zeige, werde ich einfach so weiter gearbeitet wie bisher. So dass die Muskulatur so bleibt wie sie ist, und so dass mein Kopf auch noch was zu tun hat. Spaziergänge kann ich ja noch machen, und eben alles was meinen Hals und Rücken nicht belastet.

Ich grüsse Euch! Bis bald, Euer "Rentner" Jodie

 

   
8.12.11: Jodie ist nicht mehr da! Jodies Zustand hat sich im letzten Monat stetig verschlechtert. Trotz Schmerzmitteln und alternativen Methoden wurden die Verspannungen im Rücken und Hals immer mehr. Beim fressen (Kopftiefhaltung) konnte er seine Vorderbeine kaum noch kontrollieren, sie schlotterten und knickten immer wieder weg. Und leider zeigte er auch vermehrt Aggressivität. Nicht konstant, aber wie wenn er Angst hätte das jederzeit ein Schmerz ihn durchfahren würde.

Sein Hals und Rücken waren steinhart, keine Reflexe waren mehr auslösbar. Und so haben wir uns schweren Herzens entschieden, unseren Goldjungen gehen zu lassen.

Jodie, ein Opfer menschlichen Ehrgeizes! Er hat genug gelitten in seiner Zeit bevor er zu uns kam. Er durfte bei uns noch einmal spühren was Liebe heisst, was es bedeutet wenn ihm jemand zuhört, und wenn man auf seine Probleme achtet.

Wir werden ihn nie vergessen, den hübschen Jungen!